Der Nordwesten
Garafia
Die Gemeinde Garafia ist mit 103 km² nach El Paso die zweitgrößte Gemeinde La Palmas, in der jedoch nicht einmal 2.000 Menschen leben und die deshalb mit nur 18 Einwohnern pro km² die dünnste Besiedelung der Insel aufweist. Die gesamte Gemeinde besitzt eine spektakuläre Küstenlandschaft aus Klippen, Felswänden und Steilküsten, fast ohne Strände und mit tiefen, im Laufe der Jahrtausende ausgewaschenen Schluchten = Barrancos. Hauptort mit Sitz der Gemeindeverwaltung ist Santo Domingo de Garafía. Weitere zur Gemeinde gehörende „Dörfer“ (Barrios) sind Las Tricias, El Castillo, Juan Adalid, Don Pedro, La Mata, San Antonio del Monte, El Tablado und Franceses
Dieser wild zerklüftete Inselteil mit weit verstreuten kleinen Dörfer und Gehöften zieht sich mit seinen landwirtschaftlich genutzten Flächen hoch durch die Kiefernwälder bis in die Gipfelregionen des 2.426 m hohen Roque de los Muchachos. Die dort in den Himmel ragenden Sternwarten gehören mit zu den grössten der Welt. Nach nur anderthalb Stunden Autofahrt von Los Llanos (es sind nur 50 km!) hat man das Gefühl, nicht nur das Ende der Insel, sondern das Ende der Zeit erreicht zu haben. Wie der gesamte Norden der Insel so hat auch Garafia erst seit Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Anteil an den einfachsten Errungenschaften der Zivilisation: Fließendes Wasser, Strom und die Anbindung an das Strassennetz der Insel durch eine Piste sind gerade einmal 30 Jahre alt. Davor ging man zu Fuß oder ritt bestenfalls auf dem Esel. Bei ruhiger See im Sommer konnten Lasten auch in Booten transportiert werden. Die Abgeschiedenheit und Isolation der nördlichen Region führte auch hier zu starker Landflucht und ließ die Einwohnerzahl auf weniger als die Hälfte schrumpfen. Viele Menschen fanden im Bananenanbau eine neue Beschäftigung und siedelten in andere Orte der Insel um.
Zentrum der weitläufigen Streusiedlung Santo Domingo de Garafía ist die Plaza Baltazar Martin mit dem alten Ortskern, der Kirche und dem Rathaus. Es gibt einige Restaurants, eine Bank und einen Supermarkt ja sogar eine Apotheke. Die Stille der Plaza wird durch die vielen geschlossenen Fensterläden des Ortes noch betont und vom mehr oder weniger pfeifenden Nordostpassat untermalt. Fürwahr – wild-romantische Ruhe!
Sehenswürdigkeiten
Las Tricias – Ort an der südlichen Grenze zu Puntagorda. Unterhalb des Dorfes (Buracas) stehen viele Drachenbäume. Einige Höhlen, die schon von den Guanchen bewohnt wurden, liegen dort. Auch Steinzeichnungen finden sich an einigen Stellen.
Petroglyphen (Felszeichnungen) – Unter dem Namen Bediesta de Galguén finden sich besonders gut erhaltene Felsinschriften in La Zarza und La Zarcita wo sich auch ein Besucherzentrum mit Ausstellungsraum befindet.
Kirche Nuestra Senora de La Luz – herausragend sind die außergewöhnlichen Holzarbeiten in der Kirche.
Puertito de Santo Domingo – Steiniger, etwa 10 Minuten abwärts führender Pfad zum Meer.
An der überaus rauen Küste befinden sich einige in den Fels eingelassene höhlenartige Häuser. Von puerto keine Spur, dafür aber ein herrlicher Blick über die Steilküste und die Felsen von El Guincho.
Puntagorda
Mit nur knapp 1.800 Einwohnern ist Puntagorda die kleinste Gemeinde der Insel. Das Gebiet umfasst 31 km² und ist geprägt von einer artenreichen Vegetation, vom Gemüseanbau und einer Unzahl von Mandelbäumen. Im Sommer herrscht in dem malerischen Dorf auf ca. 600 m ein sonniges und trockenes Klima. Die Wintermonate warten hingegen mit ausdauernden Niederschlägen auf. Im Februar überzieht ein Teppich rosa blühender Mandelbäume die Landschaft. Die kleinen, ölreichen Früchte werden zu traditionellen Backwaren wie den Mandelplätzchen oder auch zu Mandelmus verarbeitet. Die Gemeindegrenzen sind auch hier natürliche Landschaftshindernisse: das Meer im Westen, der Barranco de Izcagua im Norden, der Barranco de Garome im Süden und der Kraterrand der Caldera de Taburiente im Norden. Barrancos und tiefe, unwegsame Erosionstäler bestimmen auch hier die für den Norden der Insel charakteristische Landschaft.
Der Ort Puntagorda liegt weit verstreut im mittleren Teil des Gemeindegebietes mit seinen Ortsteilen El Roque, El Fagundo, El Pino und El Pinar. Ausgedehnte Wälder bis auf etwa 1.100 m, Weinberge bis 1.400 m und wieder Wälder bis zur 2.000 m hinaufreichenden Baumgrenze runden die Vielfalt der Landschaftsformation ab. Ebenso spektakulär ist die Küstenregion mit ihrer rund 200 m hohe Steilküste und nur wenigen Zugängen zum Meer sowie seinem Hafen, El Puerto, einer Ansammlung von Häusern und Höhlen in einer felsigen Bucht. Im Sommer und bei ruhiger See ist sie Badestrand und Ankerplatz der Fischerboote. Im Winter wird allenfalls als Angelstelle benutzt – aber auch nur bei ruhiger See.
Die Guanchen, die Ureinwohner der Insel, hinterließen deutliche Spuren in den verbliebenen Resten von Bauwerken und Höhlen. Im 16. Jahrhundert entstand hier der erste historische Ort in der Gegend von San Amaro, in der die vorwiegend portugiesische Bevölkerung auch eine der ersten Kirchen der Kanaren errichtete und sie dem Schutzheiligen San Amaro widmete. Der Ort wurde später aufgegeben und an einer höheren Stelle neu errichtet.
Die ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen Ende des 19. Jahrhunderts führten zur Auswanderung oder Umsiedlung in andere Gemeinden.
Sehenswürdigkeiten
El Fayal – Im Kiefernwald gelegener Erholungspark mit Sporteinrichtungen – direkt darunter befindet sich der Mercadillo, die Markthalle von Puntagorda, die Samstags von 15-19 Uhr und Sonntags von 11-15 Uhr geöffnet hat.
Kirche von San Mauro Abad – Anfang des 16. Jahrhundert erbaut, architektonisch interessant und mit wertvollen Bildern ausgestattet.
Windmühlen – als treue Zeugen der Vergangenheit sind noch zwei Windmühlen erhalten.
Tijarafe
20 km nordwestlich von Los Llanos an der Hauptstraße nach Norden liegt die Gemeinde Tijarafe am Anfang einer ausgedehnten Region mit Mandelbäumen, die sich bis nach Garafia erstreckt. Wie für den Sitz einer Gemeindeverwaltung auf der Insel mittlerweile üblich, findet man auch hier alle Einrichtungen einer zeitgemäßen Infrastruktur: Apotheke, Banken, Post, Tankstelle, Supermercado, Handwerksbetriebe aller Art und natürlich Bars und Restaurants.
Das soll nicht heißen, das es hier besonders geschäftig zuginge. Denn erreicht man vom Aridanetal kommend nach der serpentinenreichen Durchquerung der Caldera den Aussichtspunkt El Time, so verändern sich spürbar Landschaft und Atmospäre. Der Nordwesten und Norden der Insel ist ruhig und dünn besiedelt. Er entwickelt seine ganz besondere Stimmung durch seine urgewaltige Natur, seine extremen Höhenunterschiede zwischen Gebirge und Ozean. Auch der nachlassende und hinter Tijarafe sehr spärliche Verkehr trägt dazu bei, dass Stille und Grossartigkeit der Landschaft im Innern des Betrachters ihre Wirkung entfalten. Ganz so, als bestimmte hier die Natur den Rhythmus des täglichen Lebens und ganz anders als in den dichter besiedelten Teilen des ja ohnehin gemütlichen Eilandes. Die seit Jahren stagnierende bzw. abnehmende Zahl der Einheimischen (Tijaraferos) durch Abwanderung hat sich durch die Ansiedlung vor allem deutscher Einwanderer auf ca. 2.700 stabilisiert. Die fruchtbaren Böden und die liebliche Landschaft haben vor allem zivilisationsmüde Selbstversorger, Handwerker und eine ganze Reihe von Künstlern angezogen. Die Haupterwerbsquelle ist die Landwirtschaft, der Obst-, Gemüse- und Weinbau.
Sehenswürdigkeiten
El Time – Der an der Hauptstraße, am Rande der Angustiasschlucht gelegene Aussichtspunkt bietet einen grandiosen Blick in die Schlucht und auf das gesamte Aridanetal, im Hintergrund auf die majestätischen Gipfel der Caldera de Taburiente.
Kirche La Candelaria – Interessantes religiöses Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, dessen fünfteiliger Altaraufsatz dem Künstler Antonio de Orbarán zugeschrieben wird. Schnitzereien, die Apostel darstellend und Gemälde mit den Rosenkranzmysterien zieren das Gotteshaus, vor allem aber die mehrfarbige Holzfigur der Jungfrau von Candelaria, der Schutzheiligen der Gemeinde.