Das Aridanetal
Von der Ostseite kommend erreicht die Passstrasse auf einer Höhe von etwa 900 m den Alten Tunnel. Die in den fünfziger Jahren gebaute gut 1200 m lange Tunnelröhre durchsticht die Cumbre Nueva und ist damit die wichtigste Verkehrsader zwischen dem Ost- und Westteil der Insel. Die gut ausgebaute Strasse führt vom Tunnel, vorbei an Kastanienhainen und Mandelkulturen, 6 km abwärts nach El Paso. Weiter nach unten öffnet sich das sanft abfallende Aridanetal mit den drei Gemeinden El Paso, Los Llanos und Tazacorte. Das Aridanetal gilt als eine der schönsten Landschaften des gesamten Archipels. Neben dem Hauptort Los Llanos liegen hier auch die wichtigen Touristenzentren Puerto Naos und Puerto Tazacorte, dem einzigen Hafen auf der Westseite.
El Paso
Im oberen Teil des Aridanetals, durch die Caldera de Taburiente mit 12 weiteren Gemeinden verbunden, liegt im Zentrum der Insel auf 650 m Höhe die Stadt El Paso. Die Gemeinde erhielt 1910 die Stadtrechte. Mit 135 km² Fläche die größte Gemeinde der Insel, zählt sie etwa 7500 Einwohner, von denen die Mehrzahl in El Paso Arriba (La Rosa, Valencia, Tacande) und El Paso Abajo (Tajuya, Celta, Los Barros) wohnt.
Auf 85 km² Waldfläche einschließlich der Caldera und knapp 8 km² landwirtschaftlich genutzten Landes findet sich hier eines der attraktivsten Wandergebiete der Insel auf der atemberaubenden Bühne der mächtigen Bergwelt vulkanischen Ursprungs mit ihren gran-diosen Licht- und Schattenspielen.
Die Vielzahl der Mandelbäume in und um El Paso, die vor allem im Januar und Februar durch ihre wunderbare rosa und weiße Blütenpracht vor dem tiefgrünem Hintergrund der Kiefernwälder verzaubern, hat El Paso den Namen „Stadt der Mandelbäume“ eingebracht. Durch seine Landwirtschaft und Kleinbetriebe (u.a.Tabakanbau und Herstellung von Seide) ist sie eine der reichsten Gemeinden der Insel. Mit der handwerklichen Seidenherstellung werden auch heute noch hervorragende Ergebnisse erzielt. Früher war El Paso das Zentrum der Seidenraupenzucht. Vereinzelt findet man noch Maulbeerbäume, deren Blätter als ausschliessliches Futter des Maulbeerspinner dient. Grosse Anstrengungen werden unternommen, dieses alte Handwerk vor dem Aussterben zu bewahren und wenigstens in bescheidenem Rahmen die Seidenproduktion aufrecht zu erhalten.
Sehenswürdigkeiten
Seidenmuseum im Zentrum von El Paso, Calle Manuel Tano, rechts vor der Post (Correo)
Vorspanische Felsinschriften Historische Fundstellen in der Caldera de Taburiente, auf dem Berg Bejenado und anderen Stellen. Das Rathaus erteilt Auskünfte. ???Ausgeschildert
Aussichtspunkt La Cumbrecita Über die gute Zufahrt durch üppige Kiefernwälder im „Valle del Riachuelo“ (Tal des Bächleins) gelangt man zur Cubrecita. Hier eröffnet sich der Ausblick auf die kolossale Weite und Tiefe der Caldera de Taburiente, des größten Vulkankraters der Erde.
Refugio El Pilar – Vor dem alten ???neuen Tunnel zweigt die Straße rechts ab zum Refugio El Pilar, in Vor-Tunnelzeiten die einzige Verbindung über die Cumbre zwischen Ost- und Westteil der Insel. Am Fuße des Berges Birigoyo befindet sich mitten im Kiefernwald eine Freizeiteinrichtung mit Zeltplatz, Trinkwasser, Spielplatz und einigen festen Steinhäusern mit Feuerstellen zum Grillen. Er ist auch, vor allem an den Wochenenden und bei gutem Wetter, von den Palmeros selbst gut besucht.
Caldera de Taburiente – 1954 zum Nationalpark erklärt zieht dieses kolossale Wunderwerk der Natur mit seinen außergewöhnlich wilden Landschaftsformen jedes Jahr eine Vielzahl von Besuchern an.
Besucherzentrum – Centro de Visitantes – Am Ortsbeginn rechts liegend bietet es eine täglich geöffnete Ausstellung über Entstehung und Entwicklung der Insel als Ergebnis vulkanischer Aktivitäten –
Los Llanos de Aridane
Los Llanos de Aridane wird nicht zu Unrecht die heimliche Inselhauptstadt genannt. In der Tat hat sie seit 2005 mehr Einwohner als die Hauptstadt Santa Cruz und gilt unbestritten als wirtschaftliches und urbanes Zentrum nicht nur auf der Westseite. Nirgendwo sonst auf der Insel ist die Bevölkerung in den letzten Jahren schneller gewachsen, nicht zuletzt wegen des milden und sonnigen Klimas, das auch die Entstehung eines der wichtigsten 1500 ha großen Bananenanbaugebietes des gesamten Archipels förderte. Mit 36,6 km² Fläche und ca. 27 000 Einwohnern zählen zum Gebiet von Los Llanos die Orte Argual, La Laguna, Todoque, Las Manchas, Puerto Naos sowie die urbanen Strandsiedlungen Bombilla und El Remo.
Aus dem reichen Herrensitz „Llano de Argual“ hervorgegangen, entwickelte sich ein blühender Ort, der sich schon 1812 als Gemeinde „Los Llanos de Aridane“ offiziell gründete. Diese historische Entwicklung, der Ende des 20. Jahrhunderts einsetzende Tourismus und die verstärkte Einwanderung aus Mittel- und Nordeuropa, prägen bis heute das Bild der Stadt. Neben großen Avenidas mit ihrer ungewohnt grosszügigen Straßenführung entstanden Fußgängerzonen rund um die Plaza de España. Oberhalb der Plaza (östlich) beginnt der alte Teil der Stadt. In den stillen, schmalen Gassen mit ihren kleinen meist einstöckigen Häusern im kanarischen Stil, findet man noch jene Beschaulichkeit und Ruhe, die an das Leben hier erinnert, bevor die moderne Zivilisation mit all ihren Begleiterscheinungen auch die Inseln im Atlantik erreichte. Die nördliche Begrenzung der Plaza bildet die aus dem 17. Jahrhundert stammende dreischiffige Pfarrkirche Nuestra Senora de los Remedios, die hinter ihrem steinernen Bogenportal mit wertvollen Reliquien, Malereien, Handwerks- und Kunsthandwerkarbeiten beeindruckt. Gegenüber der Pfarrkirche befindet sich das Rathaus (Ayuntamiento), mit seinem Arkadengang sowie dem über die ganze Fassade erbauten Holzbalkon ein Klassiker alter palmerischer Bauweise.
Nach nur wenigen Gehminuten gelangt man westlich der Plaza zum Mercado, der kleinen Markthalle von Los Llanos, in der das beste Frischwarenangebot der Stadt zu finden ist. Neben Gemüse, tropischen Früchten, Kräutern und Gewürzen gibt es Fleisch- und Wurstwaren sowie fangfrischen Fisch. Landwirtschaftliche Produkte der Insel werden auch sonntags von 10 bis 14 Uhr auf dem Bauermarkt am oberen Kreisverkehr Richtung El Paso angeboten.
Sehenswürdigkeiten
Museo Arqueológico Benahoarita – Begegnung mit der Geschichte La Palmas –
Calle de Las Adelfas, 1 – Los Llanos, geöffnet Di bis Sa 10.00-14.00 und 17.00-20.00 Uhr
Pfarrkirche Nuestra Senora de los Remedios – 16. Jahrhundert – Plaza de España
Barranco de las Angustias (Schlucht der Todesängste) – Duch diesen Barranco fliesst das Wasser aus der Caldera de Taburiente zum Meer, allerdings nur nach stärkeren Niederschlägen in der Caldera.
Vulkankrater – Verschiedene alte Krater südlich von Los Llanos. Die wichtigsten sind die Krater von Triana, La Laguna und Todoque.
Plaza de Argual – Argual Abajo. Architektonisch interessante und sehenswerte alte Bürgerhäuser. Das Auffälligste ist die Casa Sotomayor.
Tazacorte
Unterhalb von Los Llanos liegen Stadt und Hafen von Tazacorte an der Küste des fruchtbaren Aridanetals. Bis 1925 war die kleinste Gemeinde der Insel Teil von Los Llanos und wurde dann auf Grund eines königlichen Erlasses von Alfonso VIII selbständig. Hier, an diesem Küstenabschnitt, begann am 29. September 1492, dem Tag des Erzengels San Miguel, die Kolonialisierung der Insel durch die spanischen Truppen (Conquistadores) unter Fernandez de Lugo. Tazo, der König der Ureinwohner, starb bei der Verteidigung der Insel an dem Ort, der bis dahin als Corte del rey Tazo (Königshof Tazos) bezeichnet wurde. Die Kämpfe um die Insel dauerten bis Mai 1493, mit den üblichen katastrophalen Folgen für die Urbevölkerung: Wer während der Verteidigung nicht sein Leben lies, starb bei den folgenden Säuberungsaktionen oder an den eingeschleppten Krankheiten. Ein kleiner verbliebener Rest vermischte sich mit den spanischen Einwanderern. Die Urbevölkerung gilt heute als ausgestorben.
Tazacorte besitzt mit Los Llanos zusammen das größte zusammenhängende Bananenanbaugebiet der Insel, was der kleinen Gemeinde einen beachtlichen Aufschwung brachte. Seit 1950 hat sich die Bevölkerung fast verdoppelt. Während die meist als Streusiedlungen auf der Insel verstreuten Gemeinden ohne eigentlichen grösseren Ortskern sind, strahlt Tazacorte mit seinem Ortskern und seiner schönen Altstadt eine Atmosphäre mit einem südländischen Flair aus. Kleine Plätze, verwinkelte und ineinander verschachtelte enge Gassen mit blumengeschmückten Hauseingängen und die typischen Häuser erfreuen den Spaziergänger bei seinem Rundgang.
Zwei Kilometer unterhalb des Ortes liegt, eingebettet zwischen den steil abfallenden Wänden der Caldera und dessen Barranco de Las Angustias der Hafen Puerto Tazacorte. Die Hafenanlage, ursprünglich hauptsächlich zum verladen der Bananen genutzt, hat heute seine Bedeutung weitgehend an Santa Cruz verloren. Die mit großem Aufwand auf 10 m erhöhte und beträchtlich verlängerte Hafenmole, der Bau von Schwimmstegen und die Fertigstellung einer Kühlhalle haben bisher weder Fähren oder gar kleinere Kreuzfahrer angelockt. Außer von wenigen verbliebenen Berufsfischern wird der Hafen vor allem von der Sportfischerei und den Segelyachten genutzt. Rechterhand vom Hafen erstreckt sich ein von glatt-kieseligem Geröll durchsetzter schwarzer Sandstrand bis hin zum Ort Puerto Tazacorte. Neben dem Strand von Puerto Naos ist dies der größte Strand der Westküste. Er ist allerdings weniger besucht als der von Porto Naos. Im Ort selbst, direkt unterhalb des Felskaps El Time, findet sich eine Anzahl guter und bekannter Fischlokale, die in ihrer Mehrzahl von Touristen besucht werden. Die früher mit Wellblech bedeckten Bretterbuden sind Mitte der neunziger Jahre durch neu gebaute komfortable Strandlokale ersetzt worden, die sich um die kleine Plaza de Castilla gruppieren. Um die Abendstimmung am Meer mit ihren nicht selten spektakulären Sonnenuntergängen zu genießen ist dies einer der besten Plätze der Insel.